Kommentar: Kritik am neuen Apple MacBook Pro?

Am 29. Oktober 2016 von
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Apple stellt sein neues MacBook Pro vor und ein Raunen geht durch die Technikwelt. Das MacBook Pro ist nun zwar dünner, leichter und verfügt über ein neues cooles Feature, aber andere Änderungen wurden dann doch eher kritisch betrachtet.

Wenn man sich die Reaktionen auf den unterschiedlichen Kanälen, seien es herkömmliche Newsseiten, Blogs oder die Social Media Kanäle anschaut, dann wird man merken dass hier doch ganz schön viele User ihren Frust auslassen, denn Apple hat mit dem neuen MacBook Pro nicht nur Features hinzugefügt, sondern auch etwas entfernt. Ich will in diesem Artikel einmal auf die größten Kritikpunkte eingehen und diese etwas näher betrachten, vielleicht auch meine Vermutungen äussern wieso Apple so entschieden hat.

Nur noch 4x Thunderbolt 3 / USB Typ-C Ports?

Der größte Kritikpunkt ist sicherlich die Reduzierung der bestehenden Schnittstellen auf USB Typ-C (und einen Kopfhöreranschluss). Wir alle nutzen Notebooks unterschiedlich. Der eine nutzt es nur zum Schreiben, der andere wird damit nur im Internet surfen oder Filme schauen. Dann gibt es natürlich die Allrounder oder Hardcore-User die es für so ziemlich alles nutzen und immer dabei haben. Ich zähle mich zu den absoluten Hardcore-Usern. Ich habe zwar einen Desktoprechner, da ich aber oft unterwegs bin habe ich mich schon daran gewöhnt nur noch das Notebook zu nutzen und deshalb ist mein MacBook Pro auch immer und überall dabei. Schauen wir uns mal die Anschlüsse der vorherigen Generation an, da gab es zwei USB-Ports, zwei Thunderbolt-Ports, einen Kopfhöreranschluss, HDMI und einen SD-Kartenleser.

Ihr könnt gerne unten in den Kommentaren hinterlassen welcher dieser Ports für euch wichtig war und welchen ihr selten bis nie genutzt habt.

Meine Freundin ist wie ich finde ein gutes Beispiel, sie nutzt ihr MacBook Pro fast nur zuhause und vielleicht mal wenn sie im Urlaub ist. Auf die Frage welchen Anschluss sie regelmäßig nutzt bekam ich folgende Antwort: „Ich habe noch nie einen der Anschlüsse benutzt!“. Wenn man mal darüber nachdenkt, dann ist das auch gar nicht zu abwegig, denn wenn man keine externe kabelgebundene Peripherie oder USB-Sticks am Notebook nutzt, dann schließt man hier eigentlich ziemlich selten etwas an. Sie nutzt ihr MacBook Pro ausschließlich zum Surfen, für Videostreaming und um Dokumente zu erstellen. Einen USB-Stick hat ihr USB-Port noch nie gesehen.

Jetzt komme ich. Wie erwähnt sitze ich täglich mehrere Stunden vor meinem Notebook und nutze ihn seit 2013 als meinen Hauptrechner. Deshalb bin ich da schon etwas aktiver was die Schnittstellennutzung anbelangt. Meine beiden USB-Ports setze ich regelmäßig und gerne ein, beispielsweise um während der Arbeit mein Smartphone am Notebook zu laden oder auf Pressekonferenzen auf USB-Sticks zuzugreifen. Auch der Kopfhöreranschluss wird von mir regelmäßig genutzt, nicht um Musik zu hören, sondern für die Videobearbeitung. Für mich sehr wichtig ist der SD-Kartenleser. Ich drehe viele Videos die natürlich vor der Bearbeitung erst einmal irgendwie auf den Rechner müssen. Deshalb wird Kartenleser mehrmals täglich mit einer SD-Karte gefüttert. Ports die ich allerdings noch nie genutzt habe sind die Thunderbolt-Ports und der HDMI-Port. Auf diese kann ich gut und gerne verzichten. Und 2-3 Ports die persönlich genutzt werden, während die anderen Ports meist verstauben. Klar, es gibt auch Hardcorenutzer die alle Ports unbedingt benötigen. Deshalb kann ich auch den Frust den sich manche von der Seele schreiben gut verstehen.

Ich freue mich zwar auf gleich vier Thunderbolt 3 / USB Typ-C Ports die auch zum Laden genutzt werden können, aber ich bin auch etwas traurig darüber dass Apple meinen geliebten SD-Kartenleser entfernt hat. Wie auch beim 12 Zoll MacBook kommen nun mit dem USB Typ-C Anschluss die Adapter ins Spiel. Will man einen USB Stick anschließen gibt es einen Adapter von USB C auf USB. Gleiches auch für alle anderen Ports. In meinem Fall muss ich  mir nun also einen USB C auf USB Adapter zulegen. Dann kann ich einfach einen USB-Kartenleser nutzen und gut ist. Der Casual-User hat keine Probleme nur der absolute Hardcorenutzer muss dann halt Adapter für alle seine Zwecke kaufen. Das ist verständlicherweise ärgerlich, vor allem weil es auch viele Nutzer gibt die Adapter vergessen oder verlegen. Es wird aber seitens Apple sicherlich kein Zurück geben, der Drops ist gelutscht, bzw. der Port ist festgelegt. Nun sollten die Zubehörhersteller reagieren und Alternativen für die Nutzer bereitstellen, wobei es hier schon einiges gibt. USB Sticks mit USB-C Stecker gibt es bereits und vielleicht setzen sich diese ja auch langsam mal durch. Auch SD-Kartenleser die direkt an einen USB-C Port gesteckt werden können gibt es und ich werde mir da wohl auch bald mal einen besorgen.

Es ist aber schade dass der Magsafe nun eingestampft wird. Die Idee war genial und ich hätte mir gewünscht dass Apple ihn beibehält, neben den USB-Ports. Eine gute Sache kann ich aber auch hier abgewinnen und zwar kann ich jetzt auch von rechts aufladen, denn jeder Port ist auch gleichzeitig Ladeport. In manchen Situationen stört mich nämlich der Ladeport auf der linken Seite.

Ein Prozessor der letzten Generation?

Ein weiterer Punkt ist die Kritik am eingesetzten Prozessor. Es kommen Intel Prozessoren der 6. Generation (Skylake) zum Einsatz. Intel hat aber bereits die 7. Generation (Kaby Lake) vorgestellt. Nun fragt man sich natürlich wieso setzt Apple hier auf eine „alte“ Generation? Kaby Lake wurde zwar bereits vorgestellt, allerdings sind noch nicht alle Prozessoren dieser Reihe bereits auf dem Markt. Genau die die Apple eingesetzt hätte, lassen noch etwas auf sich warten. Kaby Lake ist natürlich etwas flotter, aber auch hier hält es sich in Grenzen. Hätte Apple allerdings auf die Vorstellung der passenden Kaby Lake Prozessoren von Intel gewartet, dann wäre es wohl eher ein MacBook Early 2017 geworden, der Launch hätte sich also um einige Monate verschoben. Ich bin mir sicher dass sich dann auch wieder einige geärgert hätten weil es 2016 kein Hardwareupdate gab. Man kann halt einfach nicht alle glücklich machen. So hat sich Apple also dazu entschieden auf Skylake zu setzen und auch gleichzeitig noch das (nicht gerade unwichtige) Weihnachtsgeschäft mitzunehmen. Verständlich. Es ist auch gut möglich dass Apple Kaby Lake komplett überspringt und beim nächsten Hardwareupdate einfach auf den Nachfolger setzt, wir wissen es nicht. Man kann sich auch nicht unbedingt darüber beschweren dass es keine Performancesteigerung bei den neuen MacBook Pros gibt, denn der Sprung von Broadwell auf Skylake bringt natürlich einen Geschwindigkeitsschub den man durchaus spüren kann. Mit dem neuen MacBook Pro hat man also definitiv ein flottes Notebook, dass auch in den kommenden Jahren noch genügend Leistung besitzen wird.

Ich setze derzeit z.B. auf das MacBook Pro Early 2013 mit einem Intel Core i5 der 3. Generation (Ivy Bridge) und es läuft immer noch wunderbar und ich nutze es immer noch um eine Videos zu bearbeiten. Ich bin deshalb auf jeden Fall sehr gespannt auf mein MacBook Pro Late 2016 Testgerät um zu sehen wie schnell dieses im Alltag ist, also stay tuned.

Ein zu hoher Preis?

Last but not least natürlich der Preis. Ein Apple MacBook Pro, das ist nicht unbedingt günstig und das wussten wir ja bereits. Das neue Apple MacBook Pro setzt allerdings noch einen obendrauf und überraschte die versammelte Technikwelt dann doch durch eine, vor allem bei uns in Deutschland , saftige Preiserhöhung. Nun fragen sich einige ob die Neuerungen wirklich diesen Aufpreis wert sind. Durchaus eine berechtigte Frage. Ich bin mir sicher dass mit dieser Preiserhöhung für einige Mac-User nun Schluss ist mit dem MacBook Pro. Auch in meinem Bekanntenkreis gab es viele die bereit waren das neue MacBook Pro zu kaufen, allerdings nicht zu diesem Preis. Meiner Meinung nach hätte Apple hier vielleicht bei den Einstiegsmodellen wenigstens mit einer Speicherkapazität von 512GB starten sollen, dann wäre der Preisanstieg deutlich positiver angenommen worden. So liegt dieser natürlich schon etwas zu weit oben was einige Interessierte vielleicht davon abhalten wird es sich zuzulegen.

Da war doch noch was!

Das waren die wohl größten Punkte die die Kritiker im Netz angesprochen haben und ja, die Kritik ist durchaus berechtigt wenn man ein Hardcorenutzer ist. Scheinbar übersehen aber viele die Neuheiten die das MacBook Pro Late 2016 meiner Meinung nach zu einem sehr interessanten Gerät machen. Die neu vorgestellte Touch Bar ist für mich z.B. ein echtes Highlight und mit ein Grund wieso ich dieses MacBook Pro auch unbedingt haben möchte. Auch das Display das nun deutlich heller ist als beim Vorgänger ist ein echter Segen für mich, denn ich sitze auch desöfteren mal im Freien. Zu einem dünneren und leichteren Notebook sage ich natürlich auch nicht nein. Der Akku ist zwar deshalb geschrumpft, es werden aber immer noch 10 Stunden Akkulaufzeit erreicht, was mir absolut ausreicht.

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Klar gibt es Notebooks die einen schnelleren Prozessor, mehr Arbeitsspeicher, mehr Flashspeicher, etc. besitzen und dies vielleicht sogar zu einem günstigeren Preis. Viele Leute verstehen aber einfach nicht dass es für die meisten MacBook Nutzer einfach keine Alternative gibt. Es gibt nur das MacBook, denn nur das MacBook hat MacOS als Betriebssystem. Klar, es gibt einige Nutzer die auch problemlos auf ein Windows-Notebook umsteigen könnten. Aber die meisten Nutzer die sich für ein MacBook entschieden haben, haben dies aus einem bestimmten Grund getan und dieser war neben der sehr guten Verarbeitung auch das Betriebssystem MacOS. Wer nun schon Geld in Anwendungen für MacOS gesteckt hat, der wird nicht einfach zu Windows wechseln können, so wie dies einige Kritiker, vor allem in den sozialen Netzwerken, immer wieder vorschlagen. Genau so wenig wie einige Windows-Nutzer nicht zu MacOS wechseln können, da man einfach schon zu sehr mit dem Betriebssystem verbunden ist.

Deshalb wird auch dieses MacBook Pro, trotz der Kritik, sicherlich wieder ein richtiger Kassenschlager. Trotz der Abstriche die einige machen müssen und trotz des vergleichsweise hohen Preises. Auch ich werde mein Apple MacBook Pro Early 2013 nun gegen ein Apple MacBook Pro Late 2016 eintauschen und zwar vor allem weil es die Touch Bar besitzt. Ich seh hier wirklich sehr viel Potential und ich glaube es wird meine Arbeit mit dem MacBook Pro unterwegs erleichtern. Es ist schon sehr cool was Apple bei seinen eigenen Anwendungen wie z.B. Final Cut Pro X hier in der Touch Bar realisiert hat, deshalb bin ich auch schon sehr gespannt was die Entwicklercommunity aus der Touch Bar macht. Touch ID ist natürlich auch eine feine Sache und bringt mehr Sicherheit ins Spiel was nicht zu verachten ist. Wenn es schon mal verbaut ist, werde ich es natürlich auch einsetzen und so mein Gerät sichern. Jetzt warte ich aber erst einmal mein Testgerät ab, um zu sehen ob ich damit auch meinen Alltag meistern kann. Stay tuned!

Und bevor hier einige behaupten ich wäre ein Apple-Fanboy, ich nutze auch regelmäßig meine Windows-Notebooks und weiß einige Vorteile von Windows durchaus zu schätzen. Ich setze beide Systeme gerne ein!

Autor :

Johannes Knapp ist deutscher Techblogger der ersten Stunde und Seitenbetreiber von NewGadgets.de. Bei Fragen, schickt mir einfach eine Email an info@newgadgets.de

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