DSL-Drosselung – jetzt wird es ernst. Es geht aber auch anders!

Am 17. Januar 2015 von
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Die DSL-Drosselung war 2014 ein großes Thema. Mehrere DSL-Anbieter legten Pläne vor die Benutzer in der Datengeschwindigkeit zu drosseln, wenn diese es mit dem Herunterladen zu sehr übertreiben. Den Anfang wird nun O2 machen, denn ab Februar werden die AGB-Klauseln auch aktiv umgesetzt.

Nicht nur O2 hat die DSL-Drosselung bereits in den AGBs stehen, auch andere deutsche DSL-Anbieter haben die entsprechenden Klauseln für die DSL-Drosselung bereits 2014 in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen verankert, aber noch nicht umgesetzt. Einer muss ja damit anfangen dachte sich hier wohl O2 und deshalb wird ab Februar 2015 der Hebel umgelegt und man wird nach der Fair Use Policy vorgehen. Wer viel herunterlädt, der mus nicht gleich mit einer Abstrafung durch Drosselung rechnen. Nur wer drei Monate in Folge über sein Datenvolumen hinaus herunterlädt, muss mit einer Drosselung rechnen. Die DSL-Geschwindigkeit wird dann im darauffolgenden Monat nur 2 MBit/s betragen, was ehrlich gesagt wirklich extrem langsam ist. Ausserdem wird man ab diesem Zeitpunkt auch direkt in jedem Monat gedrosselt in dem man sein Datenvolumen überschreitet. Natürlich betrifft diese DSL-Drosselung nicht jeden. Hier ein paar Beispiele: Jemand gelegentlich auf Youtube surft und sonst nur auf Social Media Seiten und normalen Webseiten unterwegs ist, der wird niemals über das Datenvolumen kommen und muss sich hier keine Sorgen machen. Auch wer den ganzen Tag seine Onlinegames spielt, wird das Datenvolumen am Monatsende nicht erreichen können. Die DSL-Anbieter haben hier vor allem eine Sorte Nutzer im Blick und zwar diejenigen die illegale Dateien herunterladen. Hier gibt es so manche Kandidaten die gut und gerne auch mal 1-2 TB aus dem Netz laden und das monatlich. Leider werden auch alle die gerne und viel (legal) HD-Filme streamen von der DSL-Drosselung betroffen sein. Ein HD-Film kann von der Größenordnung schnell im mittleren zweistelligen Gigabyte-Bereich liegen und wer jeden Tag sogar mehrere Filme schaut, der wird über sein Datenvolumen kommen. O2 bietet den betroffenen Benutzern die Möglichkeit sich wieder Datenvolumen mit der vollen Geschwindigkeit kaufen zu können. O2 bietet hier eine „echte Flatrate“ für 14,99€ im Monat und 100 zusätzliche Gigabyte für 4,99€ im Monat an.

O2 Drosselung

So erklärt O2 übrigens den Benutzern was 300GB im Monat an Datenvolumen so alles ermöglichen. Gut, man kann den ganzen Tag online Games zocken, das ist natürlich toll, auch dass man täglich 4.000 Bilder teilen kann (was natürlich keiner macht). Zwei Punkte sind aber dann doch ein bisschen kritischer zu betrachten, z.B. das man jeden 3. Tag ein Spiel herunterladen kann. Spiele werden immer größer und irgendwann kann man mit den 300 GB dann aber nur noch einmal die Woche ein Spiel herunterladen um nicht gedrosselt zu werden. Und die 3,5 Stunden HD-Video am Tag sind meiner Meinung nach auch definitiv zu wenig. Ich schaue mir täglich deutlich mehr als 3,5 Stunden HD-Videos auf Youtube, Vimeo, aber auch Amazon Prime, Maxdome etc. an.

Nun darf man sich aber gerne fragen wieso die DSL-Anbieter bitte auf die Idee kommen nun eine Drosselung einführen zu müssen, immerhin bietet man ja eine Flatrate an. Dass eine Flatrate nicht immer eine „richtige“ Flatrate ist, erlebe ich jeden Monat mit meinem Mobilfunktarif. Ich habe eine „Datenflat“ mit 1GB Datenvolumen. Nachdem ich dieses Datenvolumen überschritten habe, sinke ich von der angenehm schnellen LTE-Geschwindigkeit runter auf maximal 64kbit/s, was für mich einfach praktisch nicht mehr nutzbar ist. Jeder Vorgang dauert statt weniger Sekunden nun fast schon Minuten und wer über diese Geschwindigkeit mal schnell unterwegs ein Video auf Youtube zeigen möchte, der kann auch gerne mal eine halbe Stunde oder länger warten. Ich bin hier also gezwungen wieder zu bezahlen um mein Datenvolumen wieder auf 1GB aufzustocken. Da ich mein Smartphone zum Arbeiten nutze und seit Jahren schon mein kompletter Emailverkehr nur noch mobil abläuft bin ich natürlich auch auf eine schnelle Verbindung angewiesen. Pro Monat verbrauche ich hier also manchmal bis zu 10GB vom Smartphone aus, da kann sich natürlich jeder ausrechnen was ich hier noch an Zusatzkosten neben meiner monatlichen Grundgebühr habe.

Geht es auch anders? Aber natürlich!

Das es auch anders gehen kann sehe ich jedes Mal wenn ich geschäftlich in Taipeh bin, ich besorge mir am Flughafen einfach eine Prepaid-SIM und habe hier für ca. 30€ eine richtige Datenflat. Im Juni 2014 habe ich hier mal ein wenig aufgezeichnet und ganze 50 Gigabyte an Daten verbraucht, denn ich nutze mein Smartphone in Taipeh natürlich als mobilen Hotspot um auf der Computex Videos hochzuladen. Abgesehen davon dass ich hier eine echte Datenflat erhalte, habe ich hier auch beinahe überall eine schnelle Verbindung was mir natürlich richtig gut gefällt. Ich stand letztens gefühlt mitten im Dschungel und hatte noch eine 3G-Verbindung. Jedes Mal wenn ich hier bin und unbesorgt mein Smartphone nutze wie ich es möchte, ärgere ich mich bei der Rückkehr nach Deutschland wieder dass ich innerhalb von nur 1-2 Tagen bereits 1 GB verbraucht habe und wieder neues Datenvolumen kaufen muss. Da merkt man mal wieder wie sehr Deutschland in manchen Dingen einfach hinterherhinkt.

Ich würde mich freuen wenn die DSL-Anbieter hier eine andere Lösung finden würden als einfach eine allgemeine DSL-Drosselung einzuführen, beispielsweise einfach nur diejenigen drosseln die es wirklich deutlich übertreiben und am Monatsende im Terabyte-Bereich landen beispielsweise. Oder sie nehmen sich einfach ein Beispiel an anderen Ländern und drosseln überhaupt nicht! Da aber nun O2 damit angefangen hat, werden sicherlich auch andere DSL-Anbieter hier nachziehen.

Quelle: O2
via: PCGH

Autor :

Johannes Knapp ist deutscher Techblogger der ersten Stunde und Seitenbetreiber von NewGadgets.de. Bei Fragen, schickt mir einfach eine Email an info@newgadgets.de

3 Responses to “DSL-Drosselung – jetzt wird es ernst. Es geht aber auch anders!”

  1. Ralphmkk61 sagte am 18.01.2015 um 10:16

    …wenn die Verbraucher mit dem Geldbeutel abstimmen und zu einem Anbieter ohne Drosselung wechseln. Aber das funktioniert nur wenn es genügend machen.

  2. Robert sagte am 19.01.2015 um 09:12

    Es ist einfach nur noch frech was die Anbieter sich da erlauben. Ich fühle mich als Kunde dermaßen verarscht ;(

  3. Sebastian sagte am 19.01.2015 um 13:00

    Die Datentariefe aller Anbieter sind in der heutigen Zeit eine Frechheit! Das erinnert mich zurück an die Zeiten, als ich auf den Internetbutton gekommen bin und fast an einem Herzinfarkt gestorben bin. Nur das ich hauet angst haben muss, dass mein 1GB wech iss……
    Da wird einfach zuviel abgesprochen um dei Preise hoch zu halten!

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