Qualcomm und die automobile Zukunft

Am 16. Mai 2016 von
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Der Chiphersteller Qualcomm gibt derzeit im Automobilbereich richtig Gas. Auf der CES und dem Mobile World Congress stellte das Unternehmen aus San Diego in letzter Zeit sehr interessante Konzepte vor. Es wurde also einmal Zeit Qualcomm im deutschen Headquarter in München einen Besuch abzustatten.

Bei dem Treffen mit Qualcomm in München ging es hauptsächlich um die automobile Zukunft, mit Themen wie Connected Car, Infotainment und das kabellose Aufladen von Elektrofahrzeugen. Als Chiphersteller hat sich Qualcomm ja bereits auf dem Smartphone- und Tabletmarkt einen Namen gemacht und auch die Autohersteller haben ein Auge auf die SoCs geworfen. Als Partner wurde beispielsweise Audi genannt, die Qualcomm Chips einsetzen werden um das Infotainment zu befeuern. Klar, die Vorteile liegen auf der Hand, zuerst einmal verfügt Qualcomm über sehr leistungsstarke mobile Prozessoren, darüber hinaus hat das Unternehmen auch Erfahrung im Mobilfunkbereich und kann so das volle Paket ausliefern.

Mit 5G wird alles schneller und besser

Zwar ermöglicht 4G / LTE schon jetzt eine schnelle Datenübertragung, 5G will hier aber noch einen draufsetzen und nicht nur schnelle Datenübertragungen bieten, sondern auch extrem schnelle Reaktionszeiten. Noch ist nicht genau klar was 5G in Zukunft alles können wird, die Verantwortlichen sind noch dabei hier einen Standard zu finden. Realistisch können wir wohl erst ab 2020 mit 5G rechnen. Was wird uns 5G also für Vorteile bringen? Zuerst einmal die angesprochene extrem niedrige Latenz. Hier sollen Zeiten von unter 1 Millisekunde erreicht werden. Ausserdem sollen auch weniger Fehler bei der Datenübertragung auftauchen. Weniger als ein Datenpaket pro 100 Millionen soll verloren gehen. Dazu kommt noch die Geschwindigkeit die mehrere Gigabits pro Sekunde erreichen soll. Dies sind ideale Voraussetzungen für die kommende Generation der Connected Cars, die ja auch untereinander vernetzt sein müssen um ggf. schnell zu reagieren.

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Eine von Qualcomm in Auftrag gegebene Studie zeigt dass 70% der Befragten bereit seien für ein Connected Car mehr zu bezahlen. 40% der Befragten gaben auch an sich in Zukunft ein Connected Car zuzulegen. Die Automobilindustrie reagiert bereits auf diesen Trend und so haben schon deutlich mehr Fahrzeuge, auch im preiswerteren Segment, die Möglichkeit ins Internet zu gehen und bestimmte Funktionen per App auszuführen. Elektroautos sorgen hier noch mal für einen Boost, denn futuristisch anmutenden Fahrzeugen nimmt mal neue und vielleicht ungewöhnliche Connected Car und Infotainment-Features eher ab als einem herkömmlichen Fahrzeug.

Induktives Aufladen von Elektrofahrzeugen – Ade Ladekabel!

Im Bereich Elektroauto ist Qualcomm ja auch bereits seit vielen Jahren tätig. Als Sponsor der Formel-E, treiben das Unternehmen die Entwicklung des kabellosen Aufladens von Elektrofahrzeugen an. Es sind bereits Lösungen für induktives Aufladen auf dem Markt, diese lizensieren Technologien von Qualcomm. In der Werkstatt stand neben einem BMW i3 auch ein Nissan Leaf für eine Demonstration von Qualcomm Halo bereit.

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BMW i3 mit Qualcomm Halo Ladetechnologie

Per App auf dem Smartphone wird hier im Fahrzeug angezeigt ob man sich bereits korrekt über der Ladeplatte befindet. Übrigens ist das induktive Aufladen eine sichere Angelegenheit. Es sind hier einige Schutzmechanismen implementiert, so ist es kein Problem wenn sich während des Ladevorgangs mal eine Katze auf die Ladeplatte verirren sollte. Sobald dies erkannt wird, wird der Ladevorgang einfach gestoppt. Das Gleiche gilt auch für metallische Objekte auf der Ladeplatte. Induktives Aufladen hat so einige Vorteile und ist auf jeden Fall die Zukunft von Elektrofahrzeugen. Wer will schon im strömenden Regen sein Ladekabel anbringen oder ein klatschnasses Kabel im Kofferraum verstauen?

Hier auch ein Blick ins Innere der Ladeplatte

Infotainment für Alle!

Einen schönen Ansatz verfolgt auch die neue Display Audio Plattform Qualcomm Atlas 7. Dieser SoC integriert Bluetooth, einen Audio DSP und einen Radiotuner und unterstützt auch Android Auto und Apple Carplay. Gedacht ist das System für günstigere Fahrzeuge oder als Infotainment der Einsteigerklasse.

Für den High-End Bereich hat Qualcomm natürlich auch etwas. Hier kommen schon härtere Infotainment-Kaliber ins Spiel, wie z.B. ein digitales Tacho und ein riesiges Infotainment-Display welches hochkant in der Mittelkonsole verbaut ist. Die Integration mit dem Smartphone ist hier enger, so weiß das System welchen Song man als letztes gehört hat und spielt es im Auto weiter. Bei der Navigation setzt man auf Google Maps, welches durch die performante GPU auch schnell und flüssig aufbaut und sich natürlich nutzen lässt wie auf jedem anderen Touchscreen. Das besondere an dem System ist auch die Modularität. Sollte es also eine neue schnellere Prozessorgeneration oder neue Mobilfunkstandards geben, dann könnte man theoretisch einfach nur das Modul austauschen und schon kann man die neuen Technologien genießen.

Es bleibt spannend

Wie man sehen kann sind die Entwickler fleissig am tüfteln und ausprobieren was in kommenden Fahrzeugen möglich ist. Der nächste große Schritt wird hier wohl die Einführung von 5G sein, die eine bessere Vernetzung der Fahrzeuge ermöglichen wird. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt was da noch auf uns zukommt!

Autor :

Johannes Knapp ist deutscher Techblogger der ersten Stunde und Seitenbetreiber von NewGadgets.de. Bei Fragen, schickt mir einfach eine Email an info@newgadgets.de

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