Lufthansa: Taxibot soll Sprit sparen und Lärm reduzieren

Am 22. Juli 2014 von
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Die Lufthansa Engineering and Operational Services GmbH (kurz: Lufthansa LEOS) demonstrierte auf dem Gelände des Frankfurter Flughafen den neuen Flugzeugschlepper Taxibot, den man zukünftig für das Taxiing der Flugzeuge nutzen möchte.
Derzeit sieht es am Flughafen so aus: Nachdem alle Passagiere eingestiegen sind, die Türen geschlossen wurden und die Fluggastbrücke abgezogen wurde, beginnt der Pushback. Ein Flugzeugschlepper drückt das Flugzeug aus dem Gate. Dann startet der Pilot die Triebwerke und fährt mit eigener Kraft zur Startbahn.

Mit dem neuen Taxibot möchte man diese seit Jahren bekannte Routine aber brechen. Der Taxibot soll nämlich nach dem Pushback das Flugzeug bis zu seiner Position vor der Startbahn bewegen. Dies hat den Vorteil dass die Triebwerke ausgeschaltet bleiben können, was eine Menge Treibstoff spart. Zwar dauert das Taxiing meist nicht so lange, aber wenn man mal den Verbrauch eines Airbus A380 im Leerlauf betrachtet (ca. 3.000 Kilo Kerosin / Stunde), dann spart man bei den durchschnittlichen 15 Minuten vom Gate bis zur Startbahn schon so einiges. Aber auch die Lautstärke minimiert sich deutlich, denn wer schon einmal die Vorfeld-Tour am Frankfurter Flughafen mitgemacht hat, der weiß wie laut die Triebwerke sein können.

Taxibot -1

Wie funktioniert der Taxibot nun? Der Schlepper nimmt das Bugrad des Flugzeuges auf und fixiert dieses. Der Drehteller auf dem das Bugrad nun ruht, erkennt die Drehbewegungen die vom Piloten erfolgen und gibt diese weiter an die eigene Lenkung des Taxibot. Nachdem das Flugzeug fixiert wurde, befindet sich der Taxibot im „Pilot Control Mode„, d.h. der Pilot steuert das Taxibot-Gespann wie gewohnt über seinen Tiller (das Lenkrad für die Bugradsteuerung beim Flugzeug) und die Pedale. Für den Piloten ist keine besondere Einweisung notwendig, da für ihn alles läuft wie gewohnt. Es fühlt sich an wie ein normales Taxiing, nur eben ohne laufende Triebwerke. Kurz vor der Startbahn wird abgekoppelt, der Pilot kann die Triebwerke warmlaufen lassen und der Taxibot fährt wieder an ein Gate. Es gibt auch noch den „Driver Control Mode„, hier steuert der TaxiBot-Fahrer das Gespann, z.B. wenn das Flugzeug beim Pushback aus dem Gate gefahren wird.

Auch der Taxibot spart Energie ein, denn er ist ein Hybrid. Angetrieben wird er von zwei Siemens Generatoren mit je 180 kW und zwei Scania Dieselmotoren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 42 km/h und die Räder lassen sich bis zu einem Winkel von 85° einschlagen.

Das Projekt startete 2007 als Diplomarbeit und wurde bereits zwei Jahre später mit einem Flugzeug-Dummy getestet. 2010 wurde dann mit einer Airbus A340 getestet, zur gleichen Zeit auch bereits am Frankfurter Flughafen mit der Boeing 747. Derzeit wartet man noch auf die Zertifizierung der EASA (Europäische Agentur für Flugsicherheit) und führt weitere Stabilitäts- und Ausdauertests durch. Ab September 2014 soll der Betatest in Frankfurt erfolgen, bei dem sechs Monate lang die Boeing 737 Flotte der Lufthansa mit 3 Taxibots bewegt wird.

Das Video zeigt den Taxibot in Aktion am Frankfurter Flughafen mit einer Boeing 737-500.

Ein sehr spannendes Thema wie ich finde, es wäre sehr interessant zu sehen wieviel man einsparen kann, wenn das gesamte Dispatch Towing am Frankfurter Flughafen von den Taxibots durchgeführt wird.

Autor :

Johannes Knapp ist deutscher Techblogger der ersten Stunde und Seitenbetreiber von NewGadgets.de. Bei Fragen, schickt mir einfach eine Email an info@newgadgets.de

2 Responses to “Lufthansa: Taxibot soll Sprit sparen und Lärm reduzieren”

  1. 747-800 sagte am 22.07.2014 um 22:27

    Bzgl. des Lärms, nur der Lärm am Flughafen oder auch in Flörsheim und Umgebung?

  2. Florian sagte am 23.07.2014 um 11:52

    Wieso muss da noch jemand drinsitzen? Wäre es nicht besser bei dem Namen „Taxibot“ auf ein komplett autonomes System zu setzen, ohne Fahrer?

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